BIM, Landschaftsarchitektur und Software-Entwicklung

BIM, Landschaftsarchitektur und Software

BIM-Illustration
BIM-Illustration

Ein Interview mit Matthias Gehrke, Landschaftsarchitekt und Vorstand der DATAflor AG

Das Thema „Building Information Modeling“, kurz BIM, ist in der Landschaftsarchitektur angekommen. Bis vor wenigen Jahren noch beschränkt auf den Hochbau und die Steuerung von Großprojekten, müssen sich heute schon vereinzelt Landschaftsarchitekten mit dem „Planen im Modell“ auseinandersetzen - ganz sicher aber die „grünen“ Softwarehäuser. Hierzu Fragen an Matthias Gehrke, Vorstand und Entwicklungs-Visionär im Hause DATAflor.

BIM ist zur Zeit in aller Munde und in jeder Fachzeitschrift, aber oft recht nebulös. Herr Gehrke, fassen Sie bitte einmal allgemeinverständlich zusammen: was ist BIM, was kann BIM und wann kommt BIM?

Matthias Gehrke BIM ist keine Software, sondern eine Planungsmethode. Am besten stellt man sich BIM vor als sehr komplexes digitales 3D-Modell für die Gesamtheit eines Projekts - von der ersten Idee über die Planung, den Bau, die Nutzung während seiner gesamten Lebensdauer bis hin zum Abriss und zur Entsorgung. Daher ist es nicht nur ein Thema der Planung, sondern betrifft auch Ausführung, Unterhaltung und Pflege. Viele, möglichst alle an dem Projekt beteiligten Planer sollen auf das Modell zugreifen können, um alle Abstimmungen und Änderungen während der Planung auszutauschen. In der zusammengeführten 3D-Darstellung werden alle Konflikte sichtbar bzw. methodisch vermieden. So die Theorie.

BIM als Planungsmethode: es wird interdisziplinär an einem 3D-Modell gearbeitet

Wann und in welcher Form BIM auf uns zukommt, ist noch recht unklar. Das BMVI hat vor, bis Ende 2020 BIM als verbindliche Planungsmethode für alle Infrastrukturprojekte (Straßen, Brücken etc.) des Bundes einzuführen. Start soll 2017 mit ersten Pilotprojekten sein. Aufträge aus öffentlicher Hand und Großprojekte werden später folgen. Gesetzlich verabschiedet ist noch nichts. Für die Allgemeinheit gilt: Bis heute ist weder auf Seiten der Planer noch der Auftraggeber (insbesondere der Kommunen) genau klar, wie BIM ganz konkret in der Praxis aussehen wird.

Warum und an welchen Stellen betrifft BIM die Arbeit von Landschaftsarchitekten?

Matthias Gehrke Alle Menschen, Büros, Unternehmen und Instanzen, die an der Planung und Ausführung größerer Bauprojekte beteiligt sind, werden sich früher oder später dem Thema nicht entziehen können, denn es geht ja darum, dass interdisziplinär an EINEM Modell gearbeitet wird. Der Hochbau ist schon etwas weiter - jetzt allmählich kommt die Forderung nach BIM in unserem Landschaftsarchitekten-Umfeld an. Wir haben mit dem Büro RMP Stefan Lenzen (Bonn, Köln, Hamburg, Mannheim und Berlin) einen Beratungspartner gefunden, der uns mit Input aus Sicht der Planungspraxis versorgt, wenn wir entscheiden, welche Lösungen wir als Softwarehersteller entwickeln werden, wie wir mit dem Thema umgehen werden.

Und welche Lösungen entwickeln Sie als Softwarehersteller? Wie gehen Sie mit dem Thema um? Wird sich DATAflor CAD in DATAflor BIM verwandeln?

Matthias Gehrke Ganz sicher nicht. CAD und BIM heißt Äpfel mit Birnen vergleichen. Ein wesentlicher Unterschied in der Praxis ist die Arbeitsweise. Bei CAD wird meist in 2D mit Zeichenelementen gearbeitet, denen später bei Bedarf Eigenschaften zugewiesen werden. Bei BIM hingegen wird sofort mit definierten 3D Objekten gearbeitet. CAD und BIM werden auch weiterhin nebeneinander existieren. Es gibt Aufgaben, für die BIM gar nicht gemacht ist, z.B. für Aufmaß und Abrechnung sowie komplexe Geländemodellierungen. CAD wird dort nach wie vor die grafische Lösung sein. Auch werden kleinere Garten- und Ausführungsplanungen weiterhin mit CAD erstellt, da BIM viel aufwendiger und teurer ist. Nicht jedes Projekt rechtfertigt einen solchen Aufwand.

Herr Gehrke, Ihr Blick in die Zukunft von BIM im Hause DATAflor?

Matthias Gehrke DATAflor kann auch schon in der Gegenwart auf BIM blicken! Die Philosophie des durchgängigen Informationsmanagements ist bei uns in der Entwicklung immer die treibende Kraft gewesen. Das entspricht schon der ersten Stufe der BIM-Ausprägung, da wir die reinen Zeichnungsdaten schon mit weitergehenden Informationen verknüpfen. Landschaftsarchitekturbüros, die ihr CAD-System nicht als bloßes Zeichenwerkzeug, sondern als durchgängiges Informationswerkzeug nutzen, sind im Grunde schon auf dieser ersten BIM-Stufe angekommen.

BIM Stufen (mit Klick vergrößern)

Diesen Weg werden wir weiter gehen – mit Blick auf die dritte Stufe, die vollkommene Integration im Modell. Wir haben uns jetzt das letzte Jahr intensiv mit der IFC Dateistruktur beschäftigt und kennen die Vor- und Nachteile sowie die Möglichkeiten des Im- und Exports. Zusätzlich werden wir uns intensiv mit der Autodesk Basistechnologie REVIT beschäftigen. Der entwicklungstechnische Aufwand in Richtung BIM ist extrem hoch, aber wir werden ihn betreiben müssen, wenn wir in unserer marktbestimmenden Position bleiben wollen.

Herr Gehrke, bitte abschließend noch einen visionären Blick in die Zukunft: wird BIM die Welt verändern?

Matthias Gehrke Die Welt vermutlich nicht. Aber ich bin sicher: BIM wird die Qualität von Zusammenarbeit verändern. Alle Projektbeteiligten arbeiten an und in einem Modell - das wird neue Formen der Partnerschaften herausbilden, ganzheitliche Dienstleistungen, eine andere Qualität von Kooperation. Und ich bin auch sicher: diese Veränderungen von Prozessen und Werkzeugen erfordern eine neue Kultur des Miteinanders, aufgeschlossene und professionelle Anwender und last but not least ein offenes Management, das den BIM Gedanken zulässt und unterstützt. Hierfür stehe ich nicht nur als Software-Entwickler, sondern vor allem als Unternehmer und Arbeitgeber.

Autor:

Matthias Gehrke

Landschaftsarchitekt und Vorstand DATAflor AG

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